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Fallas III

 

Las Fallas

12 von 12 im August 2017

Jubiläum! Vor einem Jahr habe ich zum ersten Mal bei 12 von 12 mitgemacht. In den folgenden Monaten habe ich recht regelmäßig an der Parade teilgenommen und vor allem viele neue Blogs kennengelernt. Danke dafür, Caro!

Es ist so drückend, so heiß, am liebsten möchte man sich zum Hund, den es nicht gibt, unter den Baum in den Schatten flegeln.

Irgendwie schaffe ich es, mich aufzuraffen. Ein bisschen Bürokram, ein mäßig erfolgreicher Versuch, einen Text zuende zu schreiben, der aber in der Rohversion verhaften bleibt, nicht einfach.

Die Hitze ist schlimm, aber irgendwann gewöhnt man sich daran, gehört irgendwie dazu, auch das: sich über die Hitze zu beklagen. Beim Kochen gucke ich in Dauerschleife „Mamma Mia“ und finde das sehr passend.

Am Ende wird es ein Tag voller Kochen, Kinder, Katzen.

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Das ist Nacho Vidal. Ist hier vor ein paar Tagen aufgetaucht und möchte gerne bleiben.

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Ich teste an einer neuen Variante von Huevos a la mexicana herum.

Feigenmarmelade

Später koche ich Feigenmarmelade. Ein Rezept dazu gibt es hier, vom letzten Jahr.

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Zwischendurch ein Spiel.

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Mittagessen: Arroz caldoso. Eines der vielen Reisgerichte der valencianischen Küche.

arroz caldoso

Der Nachtisch besteht hier üblicherweise nur aus Früchten. Wassermelonen, Feigen, Pflaumen, Trauben, Pfirsichen. Dann siegt aber meine Kochwut und es gesellt sich eine Espressocreme dazu.

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Ein bisschen Kultur: Ciutat de les Arts i les Ciències – die Stadt der Künste und der Wissenschaften. Oha.

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Ja, sieht schön aus. Der ganze Komplex trägt den hochtrabenden Namen „Stadt der Künste und der Wissenschaften“. Ich vermisse eine Einheit von Funktion und Dekor und unterstelle den Architekten, dass es ihnen nur um hübschen Putz und die eigene Aufmerksamkeit ging. Einer der Architekten heisst Calatrava. Der Typ wurde eine Zeitlang sehr gehypt, mittlerweile wurde aber dein Pfusch entdeckt, wegen „mangelhafter Arbeiten“ am Kongresspalast in Oviedo musste er ordentlich blechen. Trotz der schönen Hülle fühlt es sich scheel an. Seelenlos. Inhaltsleer. Ich tue mich schwer damit, die Aussage dahinter zu entdecken. Es spricht mich zunächst an und dann… kommt nichts. Gerade diese sich an organische Formen anlehnende Architektur ist so ein funktionsloser Schmuck.

Das Innere der Gebäude spiegelt diesen Eindruck wieder. Ein mäßig aufregend gehaltenes Planetarium mit aufmerksamkeitsheischenden, aber inhaltsarmen 3D-Filmen, ein ein „Museum der Wissenschaften“, ein Aquarium. Dem Museum würde ich nach langem Bitten das Prädikat zweitödestes Museum in Europa verleihen. Die Ausstellungsstücke wirken, als hätte man auf Teufel komm raus etwas dort abstellen müssen. Das Aquarium, eine weitere Enttäuschung. Attraktive Architektur, aber wenig ausgerichtet auf das, was den Aufenthalt für die Besucher interessant oder zumindest angenehm gestalten könnten. Schon gar nicht für die Tiere. Es wirkt, als wären alle Diskussionen und Forderungen für ein tiergerechtes Museum an diesem Aquarim abgeperlt. Ich war übrigens schon mehrere Male dort, obwohl man für das Eintrittsgeld einer Familie dieselbe Familie fast einen Monat lang ernähren könnte. Von Zoos kann man halten, was man will, andere Diskussion. Aber auch dort bestätigt sich der Eindruck: viel Show, Funktion und Mehrwert treten hinter pompösem Gehabe zurück. Aber vielleicht war das auch der genaue Wortlaut der Stadt Valencia für dieses Prestigeprojekt.

Aber: ein sehr ansprechender Hintergrund für schöne Fotos. Doch sollte gute Architektur nicht mehr sein? Andererseits: wer besucht den Komplex? Die Touris, also die „giris“, wie die Spanier sie nennen. Und den meisten reicht das vielleicht. Ein schöner Hintergrund für ein weiteres Selfie.

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Diese Wasserbecken sind die Aussendeko. Ich hatte meine Hoffnung darauf gesetzt, dass es jemand als öffentliches Schwimmbad nutzen oder die Tanos dort ihre Wäsche waschen. Machen sie ja auch in anderen öffentlichen Becken. Das fände ich schick und es wäre ein schöner Mehrwert.

Jetzt kann man dort seit neustem Boot fahren, was ich für eine sehr gute Idee halte. Endlich wird der Misthaufen für irgendwas genutzt. Hoffentlich bleibt das jetzt so.

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Gute Laune im Parkhaus.

Unsere merienda, quasi Kaffeeklatsch: ensaimadas con crema.

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Und zum Schluß Kind und Katze, ich hatte euch gewarnt!

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Mit diesem Beitrag nehme ich an der Linkparty 12 von 12 von Caro von Draußen nur Kännchen teil. Die anderen Beitrage des Monats August findet ihr hier, meine bisherigen 12 von 12s an dieser Stelle.

 

 

 

Tostadas

Die Antwort auf die Frage nach meinem besten Tomatenrezept ist zweifellos: Geröstetes Brot mit Tomaten. In Valencia als tostadas bekannt, sind die Zutaten für dieses ebenso einfache wie köstliche Gericht schlicht krosses Brot, frische Tomaten, ein kräftiger Schuss Olivenöl und eine Prise Salz. Hier in Valencia wird es für gewöhnlich zum Frühstück oder auch als Vorspeise gereicht.

Für weniger puristische Gemüter gibt es Variationen mit frischen Kräutern oder Knoblauch und die Varianten der verschiedenen spanischen Regionen, wie das katalanische Pa amb tomàquet (‚Brot mit Tomate‘), bei der das Brot zunächst mit Knoablauch, dann mit einer entdeckelten Tomate eingerieben wird.

Zutaten

Brot oder Baguette in Scheiben

reife Tomaten

Salz

Olivenöl

evtl. Knoblauch

evtl. Rosmarin, Thymian, Pfeffer

Variante 1: Die Tomaten auf einer Küchenreibe reiben (reiben und nicht pürieren!), Bort rösten und mit Salz und Öl beträufeln.

Variante 2: Brot rösten, mit Knoblauch einreiben, von der Tomate einen Deckel abschneiden, die Brotscheiben mit dem Tomateninneren einreiben. Salzen, mit Öl beträufeln.

Variante 3: Eine Salsa herstellen: Tomaten reiben und mit Salz, Pfeffer, Rosmarin, Thymian würzen. Öl darunter rühren. Brot rösten, die Salsa darübergeben.

 

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade VeggieKochenvent – Rezepte mit Tomaten teil.

Poblats marítims (Poblados marítimos)

Die fünf Viertel Cabanyal-Canyamelar (Cabañal- Cañamelar), el Grao, la Malva-rosa (la Malvarrosa), Beteró und Natzaret (Nazaret)  waren nicht immer Teil der Stadt Valencia, sondern sind allesamt ehemalige Fischerdörfer. Zusammen bilden sie heute die Poblats marítims (Fischerdörfer), verwaltungstechnisch zählen sie zum 11. Bezirk der Stadt (distrito n° 11).  Und sie liegen, wer hätte es gedacht, direkt am Meer.

La Cremà

La nit de la Cremà (La noche de la Cremà):Die Cremá läutet das Ende der Falles (Fallas) ein. Jedes Jahr werden am Abend des 19. März die in den Strassen aufgestellten Fallas feierlich verbrannt. Dem Anzünden der jeweilgen Falla geht ein Feuerwerk voraus, das von der Fallera Mayor und dem Presidente der jeweiligen Falla entzündet wir, im Fall der Falla infantil von der Fallera Mayor Infantil und dem Presidente Infantil. In Valencia werden die Fallas Infantiles (bis auf den Gewinner der sección especial, die als letzte der Infantiles an der Reihe ist) werden um ca. 22 Uhr verbrannt. Ab ca. 23 Uhr werden die „grossen“ Fallas verbrannt, als letzte die Gewinnerin der sección especial. Den Abschluß der Cremà bildet das Verbrennen der Falla auf dem Rathausplatz um 1 Uhr morgens. Diese Falla nimmt als offizielle Falla der Stadt Valencia nicht am Wettbewerb teil.

Sequer Lo Blanch

Will man in Valencia Orxata trinken, wird einem stets das Daniel’s empfohlen. Die Orxata dort ist lecker, keine Frage. Und der Laden ist nett, wenn auch meistens ziemlich überlaufen. Viel empfehlenswerter aber finde ich die Orxatería Sequer Lo Blanch. Die befindet sich ebenfalls in Alboraia, nur ein kleines Stück weiter draußen, das ist das Schöne. Alboraia ist ein Dorf nördlich von Valencia, mitten in der Horta de Valencià und im Zentrum der Erdmandelproduktion. Gerade der Stadt entronnen, fährt man ein kurzes Stück die Straße hinunter, vorbei an Erdmandelfeldern und Bewässerungsgräben. Und dort liegt die Orxatería. Inmitten von Feldern. Das ist etwas Besonderes. Ich kenne keine andere Orxatería, die sich nicht in ein kleines Lokal in der Stadt quetscht, weit entfernt von jedem Feld. Betonoasen, gedrängt, laut, voller Hektik. „Horchaterías de asfalto“, wie José Belloch, der Besitzer des Sequer Lo Blanch sie nennt.

José Belloch hat spannende Ansichten. Er hat sich die Wiederaufwertung der Horta aufs Blatt geschrieben. Seine Familie kultiviert seit Generationen die Felder in Alboraia. Er selbst war lange als Zwischenhändler für den Verkauf der Erdmandeln an die großen Firmen der Milchwirtschaft verantwortlich und musste zusehen, wie durch Fusionen ein Oligopol entstand und die Gewinnspanne immer schmaler wurde. Er beschloß damals, der industriell hergestellten Orxata den Rücken zu kehren und sich wieder auf die traditionelle Herstellungsweise mit hauseigener Verfertigung zu besinnen.

Vor acht Jahren erstritt er sich vorm Europaparlament die Genehmigung zur Umwandlung seines ehemaligen secadero (so eine Art Scheune zur Trocknung der Erdmandeln) in ein Lokal. Ein Lokal zwischen den Erdmandelfeldern und gleichzeitig ein Projekt zur Rettung eines vom Niedergang bedrohten Gebietes. Seine Vision kam einer Kampfansage an die klassischen Asphalt-Orxaterías gleich. „Alles redet von der Rettung der Huerta, in Wirklichkeit ist alles nur vorgeschoben und die tatsächliche Rettung wird verhindert.“

José Belloch apelliert an die Landwirte. Die Produktion von Erdmandeln in Valencia decke nur die Hälfte des Bedarfs. Diese Nachlässigkeit ist unverzeihbar. „Die Bauindustrie hat der Huerta sehr geschadet, doch die die Aufgabe der landwirtschaftlichen Betriebe ist noch viel verheerender.“ Denn was nützen alle Fördergelder und Sympathiebekundungen, wenn es keinen Nachwuchs gibt, der die Höfe der Huerta übernehmen möchte.

Der Familienbetrieb ist wieder zur traditionellen Herstellung zurückgekehrt. Alle Verarbeitungsschritte, vom Anbau der xufas (ich schreibe jetzt wieder xufas (valencianisch) oder chufas (spanisch), weiß ja jeder, dass Erdmandeln gemeint sind. Mir fällt es so schwer, mich in diesem Zusammenhang des ungewohnten deutschen Wortes zu bedienen.), über die Trocknung bis zur Herstellung der Orxata, finden im Sequer Lo Blanch oder in enger Zusammenarbeit mit ortsansässigen Bauern statt. José Belloch verbindet traditionelle Anbaumethoden mit neuen Vermarktungsstrategien und schwört auf ein nachhaltiges und althergebrachtes Verfahren in cambras, Trockenscheunen, in denen die xufas zwischen 18 und 30 Monaten Zeit haben zu reifen, unter natürlichen Bedingungen. Der Sequer Lo Blanch war ehedem selbst so eine Trockenscheune. Heisst ja auch so. Sequer ist valencianisch für diese Art von Scheune. Blanch heißt weiß und Cremeweiß (bis hin zu einem feinen gräulichen Weiß) ist die fertige Orxata.

Da die Valencianer ihr Auto (leider) lieben, oder zumindest die bequeme Fortbewegung: es gibt dort einen Parkplatz. Keine nervtötende Suche nach einem Platz in der zweiten oder dritten Reihe. Wahrscheinlich ist Summe „Vom Zentrum zum Sequer Lo Blanch plus Parken“ geringer als „Asphaltorxatería plus Parken im Zentrum“. Schöne Mieträder gibt es jetzt auch in der Stadt und Alboraia ist an die Metro de Valencia angebunden, sagt die deutsche, dogmatische BesserwisserÖkoTussi in mir.

Für Menschen mit Kindern sei noch gesagt: Sogar der Spielplatz, den man von allen Tischen der Terrasse überwachen kann, ist für spanische Verhältnisse großartig. Es gibt nämlich Schaukeln, ein Trampolin, Kletterseile, eine Slackline und einen Baumstamm. Bitte sehr. Weniger asi geht fast nicht.

Und noch etwas, vielleicht nicht ganz Unwichtiges: Das ist vielleicht Geschmackssache, aber ich finde die Orxata im Sequer Lo Blanch großartig. Ebenso die Leche merengada. Aber, und das mag jetzt übertrieben klingen, muss aber noch angemerkt werden: es gibt dort die besten Fartóns der Stadt.

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Sequer lo Blanch – Gastronomía de la Huerta | Camino hondo 23, 24 | 46120 Alboraya