Archiv der Kategorie: das ende der geduld

Die Kündigung der Hebammen ist ein Angriff auf unsere Rechte

Das Hebammenthema ist noch immer auf dem Tisch, im Bewußtsein der meisten, nur indirekt Betroffenen, aber schon wieder verschwunden. Eigentlich sollte jede Frau sich dafür einsetzten! Hier geht es um unsere Selbstbestimmung und das Thema zieht viel weitere Kreise als „nur“ die freie Wahl des Geburtsortes.

Hier ein Artikel, der sich damit befasst. Er ist schon älter, aber bringt einiges verständlich auf den Punkt.

Worüber man nicht spricht

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Pola, das hatte einen Vater, der war ein berühmter Schauspieler und er war jemand, der sich über alles hinwegsetzte, auch über die Versuche, des kleinen Mädchens, sich zu wehren.

Als es älter wurde lief es weg und erzählte, was sein Vater ihm angetan. Doch niemand wollte darüber sprechen. Niemand wollte, dass das Mädchen darüber sprach. Niemand wollte einen Mythos beschädigen.

Das Mädchen schwieg, das Mädchen schwieg für lange Zeit. Als alte Frau beginnt es, das Schweigen zu brechen und schreibt ein Buch. Das Buch erzählt eine Geschichte. Dunkel, voller Schauer.

Es kommen Zeitungen, die schreiben „Vergewaltiger“ und „Skandal“. Doch im dem voyeuristischen Getöse hört niemand dieses Kind, das immer noch mit den Folgen kämpft.

Es ist ein Kind wie viele Kinder.

Es war einmal eine Oper, eine deutsche Oper am Rhein. Aussen an der Oper hängen Bilder, überlebensgroß. Bilder von großen Schauspielern. Dort ist ein Gesicht. Es ist das Gesicht Klaus Kinskis. Er war ein Schauspieler und er war ein Weltstar. Er war ein Vater. Er war ein Vater, der sich an seiner Tochter vergriffen hat. An seiner Tochter, die er hätte beschützen sollen.

Es war einmal ein Mädchen, es waren einmal Kinder, es war einmal eine Welt die schweigt. Und es war einmal eine Oper, eine deutsche Oper am Rhein, in der hängen noch heute überlebensgroße Bilder von weltberühmten Schauspielern.

 

Dieser Beitrag erschien zunächst auf dem Mitmachblog.

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Das ist ein Taxi. Nicht einfach nur ein Taxi, ein „Ecotaxi“. Ein Ökotaxi aus Valencia. Man begegnet ihnen häufig. Mit einem dieser Ecotaxis müssen wir heute sehr lange vor einer roten Ampel warten. Zeit genug, um die zahlreichen Werbesprüche und Logos zu studieren, mit denen das Taxi verziert ist. Jede Menge Werbung für verschiedene Unternehmen. Eine davon stimmt mich nachdenklich. Logo und Webadresse von „Quimicas Oro“ – ein Chemieunternehmen.

Auf der Website von Ecotaxi Valencia heißt es, das Label Ecotaxi stehe für sicheres und ökologisch vertretbares Taxifahren. Im Unterschied zu herkömmlichen Taxis legten die ECOTAXIS Wert auf Umweltschutz im Allgemeinen, Luftverschmutzung und eine gute Qualität der Luft, die wir einatmen.

La Marca ECOTAXI® asegura un servicio seguro y ecológico. La gran diferencia que hay entre los taxis que poseen esta marca y los que no, es la preocupación por nuestro entorno, la contaminación y la calidad del aire que respiramos.

 

Quimicas Oro ist ein Unternehmen, das seit Mitte der 1950er Jahre Chemikalien herstellt. Heute sind das vor allem Haushaltschemikalien und Agrarchemikalien, also den sogenannten Pflanzenschutzmitteln, so kann man das auch interpretieren. Mag sein, dass Oro nicht der schlimmste Vertreter der Branche ist. Mag sein, dass beim ökologisch vertretbaren Taxi vor allem an Luftverschmutzungsaspekte gedacht wurde. Mag sein, dass man auch auf der Homepage von Oro eine Seite zum ökologischen Engagement der Firma findet und es gleichfalls mit einem Ökosiegel gelabelt ist. Aber selbst Bayer Agrar führt einiges zum Thema Umweltschutz auf ihrer Website auf. Bayer Agrar sich sogar sehr in Sachen Umweltschutz. Zum Beispiel im Bereich Gewässerschutz, Biodiversität und Bienengesundheit (!). Aber auch die weltweit größten Zuckerkonzerne unterstützen ja sportliches Engagement oder Projekte gegen Fettleibigkeit, Diabetes, Krebs oder Herzinfarkte. Nestlé für gesunde Ernährung. Bayer Agrar für Biodiversität. Chemieunternehmen auf Ökotaxis.

Ich will nicht alles mies machen. Solche Ansätze sind nicht unbedingt schlecht. Besser wäre eine fahrradfreundliche Infrastruktur und auch sonst mehr Bemühungen, um die Leute in Valencia dazu zu bringen, mit dem Bus, der U-Bahn, dem Fahrrad, zu Fuß und einfach mit allem nur nicht immer mit einem Auto überall hinzufahren, ganz gleich, ob es sich dabei um das eigene oder ein gemietetes handelt. Aber das ist Aufgabe der Stadt.

Ohnehin wird das Etikett „Öko“ in Valencia inflationär benutzt. Wer vergibt eigentlich das Ökotaxisiegel? Wer ist Vergabestellen und wo sind die Kontrollstellen? Keine Informationen dazu. Aber Oro wird in einer Liste von Partnerunternehmen aufgeführt, die alle für Umweltschutz, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung stehen. Wir hoffen das Beste.

Und doch, als das Taxi anfährt, scheint es mir, als hörte ich ein höhnisches Kichern.  DSC_1671

 

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Azúd de Moncada – Nach uns die Sintflut

Heute waren wir am Azúd de Moncada. Ein Staudamm am Guadalquivir. Guadalquivir, oder río Turia oder río Blanco, auf jeden Fall der Fluss, der ehemals durch Valencia floss. An dieser Stelle ist er nicht sehr breit und die Stelle war bei uns ein beliebtes Ausflugsziel. Ich war schon ein paar Jahre nicht mehr dort. An einen Parkplatz konnte ich mich nicht erinnern. Gibt es jetzt. Inzwischen schon wieder zugewuchert, teilweise so, dass man sich mit einer Machete einen Platz zum Parken erschlagen müsste. Ein anderer Teil ist frei und wird regelmäßig genutzt. Von Hundbesitzern, Radsportlern, Bauarbeitern, die nebenan das Land erschliessen und neue Luxus-Chalets bauen. Es gibt jetzt auch ein paar betonierte Wege. Auch einen Spielplatz. Mit Spielgeräten von der Art, wie sie sich Erwachsene für Kinder ausdenken. Ob sie jemals von einem Kind genutzt wurden, lässt sich nicht sicher sagen. Das Ganze sieht nur noch bedingt nach Spielplatz aus.

Der Guadalquivir ist ein – an dieser Stelle – ein sehr kleiner Fluss. Ein Fluss! Nicht tief, nicht breit. Mit einem Staudamm. Eigentlich genau richtig zum Füße reinhängen, baden, waten, angeln … Also, glaube ich, ich bin kein Angler. Aber die Kinder haben ihre Netze mitgenommen, um Krebse zu fangen. Nebenbei schwimmen einem Fische von einer Größe um die Beine, dass man vielleicht auch lieber gar nicht wissen möchte, wie groß die an den tieferen Stellen so sind. So Schisser wie ich wollen das nicht wissen. Die Kinder wollen.

Es gibt also das Wasser, in dem es kreucht und schwimmt. Es gibt eine Brücke. Von der kann man die Welt von oben betrachten. Man kann auch von oben nach unten rauschen. In der Mitte des Brückengeländers fehlen die Schrauben. Das Brückengelländer lässt sich das Brückengeländer jetzt durchdrücken, wenn man sich so ans Brückengeländer lehnt, wie man das meistens macht. Die Brücke ist nicht untief.

Man kann versuchen, die Fische zu fangen. Man kann auch an der gefährlichsten Stelle von einem Ufer zum anderen waten. Und dabei reinfallen. Und dabei seine Sandale verlieren und eine wilde Verfogungsjagd beginnen. Und all diese Sachen, die Kindern einfallen. Erwachsene scheinen zu glauben, dass man an so einem Ort einen Spielplatz braucht.

Nachdem die Kinder diese schöne und nützliche EU-Sbubention (das weiß ich gar nicht, aber in Spanien stösst man manchmal auf rätselhafte Strassen und  Projekte im Niemandsland – und dann steht da meistens irgendwo ein Schild mit dem Hinweis auf eine EU-Förderung) links liegen gelassen haben, verschwinden sie in der valencianischen Uferfauna.

Am Flussufer wächst etwas. Sumpfpflanzen, Sträucher, Blumen, Bäume. Zum Herumstrolchen, Erkunden, Erforschen.

Natur. Sogar sehr ansprechende. Auch für Erwachsene. Man könnte da stehen und staunen. Darüber, wie atemberaubend die Samenstände von Feuchtwasserpflanzen sind, die sich wie rosa Wolken über dem meterhohen Schilf ausbreiten. Oder über die winzigen Blüten der Kletterpflanze, die sich wie ein Teppich aus weißen Sternen über den Boden ergießt. Darüber, wie die Pinien todesmutig am äußersten Rand der Klippen thronen. Man könnte begreifen, was unberührte Schönheit bedeuten soll, wenn sich plötzlich und unwerwartet inmitten all des Grüns eine Oleanderkönigin räkelt. Rosarot in ihrer wilden Form, wie Dornröschen, die gerade aus ihrem hundertjährigen Schlaf erwacht ist.

Die Erwachsenen müssen sich geärgert haben. Der schöne Spielplatz fand keinen Beifall. So haben die Erwachsenen beschlossen, etwas Neues daraus zu machen. Eine Müllhalde.

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Man sieht gar nicht alles. Weder das ganze Ausmaß Massen an Müll, noch, was dort alles angeschleppt wird: alte Matratzen und Schranktüren, ein halbes Bett, Plastiksäcke, Plastiktüten, Plasikflaschen, Glasflaschen Dosen, Schuhe, Windeln, ausgediente Kleidungsstücke, dazu die passenden Kleiderbügel …

Eigentlich ein Paradies für Kinder. Zum Buden bauen und so . Wenn es nicht so eklig wäre.

Spielplatz

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Böschungsfund

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Uferpromenade

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An einigen Stellen behauptet sich die Schönheit.

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Die Oleanderkönigin (Nerium oleander).

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Auch sehr praktisch

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Hat noch jemand Lust auf Melone?

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