12 von 12 im Mai – Grau, grau, grau sind alle meine Farben oder wie ich mich erdreiste, so ein ausgelutschtes Bild wie den Himmel als Metapher für meine Stimmung heranzuziehen

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„Get away is all I want“, ist mein Gedanke, aber ich spreche ihn nicht aus, versuche nur, meine Stimme unter Kontrolle zu halten, weil ich schon im Treppenhaus stehe und Kind 4 auf dem Boden liegt, während Kind 3 mich mit unschönen Worten tituliert, weil es auf keinen Fall eine Jacke anziehen will, während Kind 1 und 2 von unten hochschreien, dass wir schon wieder viel zu spät sind und sie wirklich Ärger bekommen werden, weil wir immer viel zu spät sind und kleine Geschwister Scheiße sind. Als wir dann endlich alle auf unseren Plätzen sitzen, fällt Kind 1 ein, dass es sein Schokoticket auf dem Küchentisch liegen gelassen hat und ich merke, dass die Jacke von Kind 3 noch im Flur liegen muss, denn im Auto ist sie nicht.

Der Himmel ist betongrau und abweisend, ohne ausgefranste Ränder oder irgendwelche Löcher, durch die ein Licht scheinen könnte.

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Vor der Schule lungern ziemlich nölig aussehende Teenager herum. Es beginnt zu nieseln.

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Ich pinne Grau an meine innere Pinnwand. Grau. Grau. Eine im Halbdunkel vergessene Farbe. Stahlgrau, Betongrau, Dampfgrau, Schlechtwettergrau, Schiefergrau, Blaugrau.

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Mitterands Lieblingsfarbe. Nicht das Mitterands Lieblingsfarbe von besonderer Bedeutung wäre … aber seine Liebeserklärung an das Grau hatte was. Was genau, das habe ich vergessen, aber es kam was mit dem Lilagrau der Lavendelfelder darin vor.

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Die Stadt (am grauen Meer) fällt mir ein. Darf auf keiner grauen Pinnwand fehlen – sonst auch am besten nicht.

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In der Fotografie werden Grautöne auch als Halbtöne bezeichnet. Um hier auch mal mit Wikipediawissen zu protzen. Klingt intermedial.

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Ein großartiger Himmelbeschreiber ist der Tod in der „Bücherdiebin“. Der Tod bei Zusak beschreibt viele Himmel. Nur soviel sei gesagt:

Sie schaute auf und sah den Himmel niederkauern […] Der Himmel über Köln war gelb und faulig, franste an den Kanten aus. […] Ich persönlich mag einen schokoladenfarbenen Himmel. Dunkle Bitterschokolade. Die Leute behaupten, das passt zu mir. Ich versuche trotzdem, mich an jeder Farbe zu erfreuen, die ich sehe, an dem ganzen Spektrum. Etwa eine Milliarde Schattierungen, keine wie die andere, und ein Himmel, der sie langsam in sich aufsaugt. Das nimmt dem Stress die Schärfe. Und es hilft mir, mich zu entspannen.

So spricht der Tod in der Übersetzung von Alexandra Ernst.

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Rasende Wolken kann ich jetzt nicht zeigen, hier verlässt mich der Himmel und ich kann den weiteren Tagesverlauf nicht mehr zuverlässig abbilden. Ich greife zu einem genialen Hilfsmittel und versuche, meine Stimmung selbst, mithilfe von Kunst, auszudrücken: auf dem Boden überall Wollmäuse. Wolken. Ich versuche mich an einem Staubwolkenbild. Die Wolke wird sehr wild.

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Es ist sehr abstrakt.

Jetzt hat mir der Himmel ein Schnippchen geschlagen. Er wird blau, die hinterhältige Sau.

DSC_8530Anderseits verlangt es auch eine gewisse Anstrengung, die schlechte Laune dauerhaft aufrecht zu erhalten, da hilft auch kein noch so grauer Himmel. Und wer könnte das auch schon wollen?

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Die Stimmungen des Himmels wurden dargestellt mit freundlicher Unterstützung von D. Drescher, E. Nolde, O. Modersohn und M. Álvarez Bravo, die mehr davon verstehen als ich.

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Linkparty 12 von 12 von Caro von Draußen nur Kännchen teil. Alle weiteren 12 von 12s findet ihr hier und meine bisherigen 12 von 12 an dieser Stelle.

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