12 von 12 im Oktober

Die Hauptstadt der Ödnis

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Ich bin für ein paar Tage bei meinen Eltern. Normalerweise heißen diese Besuche: aus dem Auto raus, Augen zu und rein ins Haus. Heute zwinge ich mich zu einem Spaziergang: Bestandsaufnahme.

dsc_4601Deutsche-Kleinstadt-Tristesse.

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Das Lemma der Stadt wartet am Rathaus. Große Worte für ein Niemandsland. Spontan möchte ich sie austauschen gegen Boshaftigkeit, Neid und Missgunst.

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Es geht aber auch schön.dsc_4566

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Boshaft bin ich jetzt aber auch. Es gibt auch interessante Lebensläufe hier. Und das sind nicht nur Menschen, die nach 40 Jahren aus der Welt wieder hierhin zurückgekehrt sind, sondern durchaus auch einige, die ihr ganzes Leben hier verbracht haben.

Aber die Schäbigkeit überwiegt – und hier bestimmt die Masse. Die Nicht-Zugezogenen. Und die Eingegliederten. Die, die schon immer in diesem System mitgeschwommen sind und die, die sich angepasst haben. Wer nicht normkonform lebt, wird stigmatisiert. Damit kann man leben. Mann kann es aber auch lassen.

Vielfalt ist so lange erwünscht, wie sie sich den hiesigen Dorfgepflogenheiten anpasst und nichts in Frage stellt, und sei es auch nur durch eine andere Art, auf Menschen zuzugehen. Toleriert wird nur, wer nicht über die Stränge schlägt mit seiner Andersartigkeit.

Nett ist man zu jedem, solange der neben einem steht. Oder solange er nicht zu den Geächteten gehört, die sich schlecht benommen haben und nun vom ganzen Dorf gemobbt werden. Die Hohepriester der dörflichen Moral verbreiten ihr Urteil via Klatsch und Tratsch.

Unehrlichkeit wäre auch ein gutes Motto.

Und dabei gibt es auch tolle Menschen hier. Mit guten Ideen und Gedanken und glänzender Gesinnung. Mit offenen Herzen und wachen Köpfen und gar nicht enger Stirn. Und sogar die Stadt ist nicht überall so häßlich. Sofern die Gebäude die Hundertjahresgrenze überschritten haben, werden sie schlagartig schöner. Erbauend manchmal. Und dann gibt es noch die Felder … und den Wald … Aber reicht das?

Um nicht hier zu landen …

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… habe ich mich vorher schon zum Arbeiten verdingt. Bloß nicht zuviel Zeit zum Nachdenken und deprimiert werden.

Eine Lesereihe.

Lesung und Organisation: Jeden Morgen eine Lesestunde für Kinder in der Buchhandlung.

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Heute: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. (Mit freundlicher Unterstützung des Thienemann Verlags).

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Ein Stapel antiquarischer Bücher, die in den Online-Shop eingespeist werden müssen 😦

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Dabei finden sich immer ein paar Schätzchen. Hier eins über deutsche Bauern- und Ackerbürgerhäuser. Mit 39 fantastischen Abbildungen. Wenn ich solche schönen fachspezifischen Bücher sehe, wünsche ich mir manchmal, ich wäre auch Fachmann auf dem Gebiet, mit einem Schrank und dem Kopf voller Giebelzeichnungen und Grundrisse und Flurformen, die mir schlaue Dinge zuflüstern und mich ungemein befriedigen.

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Ein anderes Buch offenbart mir die Zeichnungen von Horst Janssen – „Freunde und andere“. Eine Werkausgabe mit Farbtafeln. Eine schöne als die andere. Leider unerschwinglich.

Endi war hohl

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Die Nachmittage sind dem kreativen Werken vorbehalten. Heute bedrucke ich mit den Kindern Karten mittels Linoldruck.

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Noch mehr 12 von 12 gibt es hier bei Caro von Draußen nur Kännchen und meine bisherigen 12 von 12 an dieser Stelle.

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