Worüber man nicht spricht

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Pola, das hatte einen Vater, der war ein berühmter Schauspieler und er war jemand, der sich über alles hinwegsetzte, auch über die Versuche, des kleinen Mädchens, sich zu wehren.

Als es älter wurde lief es weg und erzählte, was sein Vater ihm angetan. Doch niemand wollte darüber sprechen. Niemand wollte, dass das Mädchen darüber sprach. Niemand wollte einen Mythos beschädigen.

Das Mädchen schwieg, das Mädchen schwieg für lange Zeit. Als alte Frau beginnt es, das Schweigen zu brechen und schreibt ein Buch. Das Buch erzählt eine Geschichte. Dunkel, voller Schauer.

Es kommen Zeitungen, die schreiben „Vergewaltiger“ und „Skandal“. Doch im dem voyeuristischen Getöse hört niemand dieses Kind, das immer noch mit den Folgen kämpft.

Es ist ein Kind wie viele Kinder.

Es war einmal eine Oper, eine deutsche Oper am Rhein. Aussen an der Oper hängen Bilder, überlebensgroß. Bilder von großen Schauspielern. Dort ist ein Gesicht. Es ist das Gesicht Klaus Kinskis. Er war ein Schauspieler und er war ein Weltstar. Er war ein Vater. Er war ein Vater, der sich an seiner Tochter vergriffen hat. An seiner Tochter, die er hätte beschützen sollen.

Es war einmal ein Mädchen, es waren einmal Kinder, es war einmal eine Welt die schweigt. Und es war einmal eine Oper, eine deutsche Oper am Rhein, in der hängen noch heute überlebensgroße Bilder von weltberühmten Schauspielern.

 

Dieser Beitrag erschien zunächst auf dem Mitmachblog.

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