Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Das ist ein Taxi. Nicht einfach nur ein Taxi, ein „Ecotaxi“. Ein Ökotaxi aus Valencia. Man begegnet ihnen häufig. Mit einem dieser Ecotaxis müssen wir heute sehr lange vor einer roten Ampel warten. Zeit genug, um die zahlreichen Werbesprüche und Logos zu studieren, mit denen das Taxi verziert ist. Jede Menge Werbung für verschiedene Unternehmen. Eine davon stimmt mich nachdenklich. Logo und Webadresse von „Quimicas Oro“ – ein Chemieunternehmen.

Auf der Website von Ecotaxi Valencia heißt es, das Label Ecotaxi stehe für sicheres und ökologisch vertretbares Taxifahren. Im Unterschied zu herkömmlichen Taxis legten die ECOTAXIS Wert auf Umweltschutz im Allgemeinen, Luftverschmutzung und eine gute Qualität der Luft, die wir einatmen.

La Marca ECOTAXI® asegura un servicio seguro y ecológico. La gran diferencia que hay entre los taxis que poseen esta marca y los que no, es la preocupación por nuestro entorno, la contaminación y la calidad del aire que respiramos.

 

Quimicas Oro ist ein Unternehmen, das seit Mitte der 1950er Jahre Chemikalien herstellt. Heute sind das vor allem Haushaltschemikalien und Agrarchemikalien, also den sogenannten Pflanzenschutzmitteln, so kann man das auch interpretieren. Mag sein, dass Oro nicht der schlimmste Vertreter der Branche ist. Mag sein, dass beim ökologisch vertretbaren Taxi vor allem an Luftverschmutzungsaspekte gedacht wurde. Mag sein, dass man auch auf der Homepage von Oro eine Seite zum ökologischen Engagement der Firma findet und es gleichfalls mit einem Ökosiegel gelabelt ist. Aber selbst Bayer Agrar führt einiges zum Thema Umweltschutz auf ihrer Website auf. Bayer Agrar sich sogar sehr in Sachen Umweltschutz. Zum Beispiel im Bereich Gewässerschutz, Biodiversität und Bienengesundheit (!). Aber auch die weltweit größten Zuckerkonzerne unterstützen ja sportliches Engagement oder Projekte gegen Fettleibigkeit, Diabetes, Krebs oder Herzinfarkte. Nestlé für gesunde Ernährung. Bayer Agrar für Biodiversität. Chemieunternehmen auf Ökotaxis.

Ich will nicht alles mies machen. Solche Ansätze sind nicht unbedingt schlecht. Besser wäre eine fahrradfreundliche Infrastruktur und auch sonst mehr Bemühungen, um die Leute in Valencia dazu zu bringen, mit dem Bus, der U-Bahn, dem Fahrrad, zu Fuß und einfach mit allem nur nicht immer mit einem Auto überall hinzufahren, ganz gleich, ob es sich dabei um das eigene oder ein gemietetes handelt. Aber das ist Aufgabe der Stadt.

Ohnehin wird das Etikett „Öko“ in Valencia inflationär benutzt. Wer vergibt eigentlich das Ökotaxisiegel? Wer ist Vergabestellen und wo sind die Kontrollstellen? Keine Informationen dazu. Aber Oro wird in einer Liste von Partnerunternehmen aufgeführt, die alle für Umweltschutz, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung stehen. Wir hoffen das Beste.

Und doch, als das Taxi anfährt, scheint es mir, als hörte ich ein höhnisches Kichern.  DSC_1671

 

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