Sequer Lo Blanch

Will man in Valencia Orxata trinken, wird einem stets das Daniel’s empfohlen. Die Orxata dort ist lecker, keine Frage. Und der Laden ist nett, wenn auch meistens ziemlich überlaufen. Viel empfehlenswerter aber finde ich die Orxatería Sequer Lo Blanch. Die befindet sich ebenfalls in Alboraia, nur ein kleines Stück weiter draußen, das ist das Schöne. Alboraia ist ein Dorf nördlich von Valencia, mitten in der Horta de Valencià und im Zentrum der Erdmandelproduktion. Gerade der Stadt entronnen, fährt man ein kurzes Stück die Straße hinunter, vorbei an Erdmandelfeldern und Bewässerungsgräben. Und dort liegt die Orxatería. Inmitten von Feldern. Das ist etwas Besonderes. Ich kenne keine andere Orxatería, die sich nicht in ein kleines Lokal in der Stadt quetscht, weit entfernt von jedem Feld. Betonoasen, gedrängt, laut, voller Hektik. „Horchaterías de asfalto“, wie José Belloch, der Besitzer des Sequer Lo Blanch sie nennt.

José Belloch hat spannende Ansichten. Er hat sich die Wiederaufwertung der Horta aufs Blatt geschrieben. Seine Familie kultiviert seit Generationen die Felder in Alboraia. Er selbst war lange als Zwischenhändler für den Verkauf der Erdmandeln an die großen Firmen der Milchwirtschaft verantwortlich und musste zusehen, wie durch Fusionen ein Oligopol entstand und die Gewinnspanne immer schmaler wurde. Er beschloß damals, der industriell hergestellten Orxata den Rücken zu kehren und sich wieder auf die traditionelle Herstellungsweise mit hauseigener Verfertigung zu besinnen.

Vor acht Jahren erstritt er sich vorm Europaparlament die Genehmigung zur Umwandlung seines ehemaligen secadero (so eine Art Scheune zur Trocknung der Erdmandeln) in ein Lokal. Ein Lokal zwischen den Erdmandelfeldern und gleichzeitig ein Projekt zur Rettung eines vom Niedergang bedrohten Gebietes. Seine Vision kam einer Kampfansage an die klassischen Asphalt-Orxaterías gleich. „Alles redet von der Rettung der Huerta, in Wirklichkeit ist alles nur vorgeschoben und die tatsächliche Rettung wird verhindert.“

José Belloch apelliert an die Landwirte. Die Produktion von Erdmandeln in Valencia decke nur die Hälfte des Bedarfs. Diese Nachlässigkeit ist unverzeihbar. „Die Bauindustrie hat der Huerta sehr geschadet, doch die die Aufgabe der landwirtschaftlichen Betriebe ist noch viel verheerender.“ Denn was nützen alle Fördergelder und Sympathiebekundungen, wenn es keinen Nachwuchs gibt, der die Höfe der Huerta übernehmen möchte.

Der Familienbetrieb ist wieder zur traditionellen Herstellung zurückgekehrt. Alle Verarbeitungsschritte, vom Anbau der xufas (ich schreibe jetzt wieder xufas (valencianisch) oder chufas (spanisch), weiß ja jeder, dass Erdmandeln gemeint sind. Mir fällt es so schwer, mich in diesem Zusammenhang des ungewohnten deutschen Wortes zu bedienen.), über die Trocknung bis zur Herstellung der Orxata, finden im Sequer Lo Blanch oder in enger Zusammenarbeit mit ortsansässigen Bauern statt. José Belloch verbindet traditionelle Anbaumethoden mit neuen Vermarktungsstrategien und schwört auf ein nachhaltiges und althergebrachtes Verfahren in cambras, Trockenscheunen, in denen die xufas zwischen 18 und 30 Monaten Zeit haben zu reifen, unter natürlichen Bedingungen. Der Sequer Lo Blanch war ehedem selbst so eine Trockenscheune. Heisst ja auch so. Sequer ist valencianisch für diese Art von Scheune. Blanch heißt weiß und Cremeweiß (bis hin zu einem feinen gräulichen Weiß) ist die fertige Orxata.

Da die Valencianer ihr Auto (leider) lieben, oder zumindest die bequeme Fortbewegung: es gibt dort einen Parkplatz. Keine nervtötende Suche nach einem Platz in der zweiten oder dritten Reihe. Wahrscheinlich ist Summe „Vom Zentrum zum Sequer Lo Blanch plus Parken“ geringer als „Asphaltorxatería plus Parken im Zentrum“. Schöne Mieträder gibt es jetzt auch in der Stadt und Alboraia ist an die Metro de Valencia angebunden, sagt die deutsche, dogmatische BesserwisserÖkoTussi in mir.

Für Menschen mit Kindern sei noch gesagt: Sogar der Spielplatz, den man von allen Tischen der Terrasse überwachen kann, ist für spanische Verhältnisse großartig. Es gibt nämlich Schaukeln, ein Trampolin, Kletterseile, eine Slackline und einen Baumstamm. Bitte sehr. Weniger asi geht fast nicht.

Und noch etwas, vielleicht nicht ganz Unwichtiges: Das ist vielleicht Geschmackssache, aber ich finde die Orxata im Sequer Lo Blanch großartig. Ebenso die Leche merengada. Aber, und das mag jetzt übertrieben klingen, muss aber noch angemerkt werden: es gibt dort die besten Fartóns der Stadt.

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Sequer lo Blanch – Gastronomía de la Huerta | Camino hondo 23, 24 | 46120 Alboraya

 

 

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Brillante arículo sobre la Orxata y un insider tipp para aquellos que buscan algo más que una Orxata. En Sequer lo Blanch, lo que aflora, es el amor por la Huerta y la Horchata. Bravo Frau von Coyle!

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    1. Miss Coffein sagt:

      Gracias. Qué curioso que tu nombre se parezca tanto al del dueño de Sequer Lo Blanch.

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