Feigenmarmelade

Es ist August. Wir sind in Spanien. Die Feigen sind reif. Wer einen Feigenbaum im Garten hat, weiß, dass die Biester alle zur gleichen Zeit reif werden und man dann nicht mehr mit dem Aufessen hinterherkommt, auch wenn man noch so viele isst. Gut, ist bei anderen Früchten nicht anders, aber Äpfel oder Birnen kann man lagern, monatelang sogar. Feigen nicht mal einen Tag. Man könnte sie trocknen, aber wer mag schon getrockenete Feigen, solange er sich an den Geschmack von frischen erinnert? Das ist wie mit eingemachten Erdbeeren, getrockneten Aprikosen oder Dosenmandarinen.

Marmelade geht schon eher. Und Feigenmarmeade auf jeden Fall. Die braucht man für leckere Ziegenkäse-Rauke-Feigenmarmelade-mit-oder-ohne-Jamon-Serrano-Baguettes.

Das Grundrezept fürs Marmeladekochen schreibe ich jetzt aber nicht auf. Marmelade ist nicht schwer, kann jeder. Und wenn nicht, was natürlich auch nicht schlimm ist, dann kann man googlen. Oder, sofern man Gelierzucker kauft, auf der Packung nachlesen.

Das Rezept für Feigenmarmelade kann man natürlich auch schon überall nachlesen. Marmelade ist Marmelade, die Frucht ist austauschbar, man kann noch ein paar Extrazutaten reinhauen. Ich habe aber ein volles Rezpetbuch, dass mit mir reist, seit ich neunzehn bin. Das möchte ich in Zukunft zu Hause lassen und stattdessen alle Rezepte ins Block packen. Jahresarbeit.

Heute: Feigenmarmelade.

Zutaten:

1500 g Feigen

500 g Zucker

4 EL Zitronensaft

Geliermittel

nach Gusto: Rosmarin

Feigen sind so süß, dass man auch gerne mehr als anderthalb Kilo nehmen kann. La Jefa hat keine Waage, aber seit ich hier meine Sommer verbringe, darf ich zum Wiegen etwas nehmen, dass aussieht, wie eine Briefwaage. Die funktioniert nicht völlig exakt, ich halte mich an ungefähre Werte. Dass ich Gerichte koche, für die ich etwas abwiege, wird hier mit Mißbilligung quittiert. Für traditionelle Gerichte hat man ein Gefühl für die perfekten Mengenangaben, alles wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Alles andere ist Murks. In meinem Fall wird es  als deutsche Spinnerei abgetan.

Zum Zucker und zum Geliermittel: Ich habe Rohrohrzucker und Apfelpektin. Jeder kann selbst entscheiden, ob er das Süßungsmittel lieber gegen Honig, Agabendicksaft, weißen Rübenzucker und das Geliermittel gegen Agar Agar, Johannisbrotkernmehl austauschen oder alles gleich mit einer fertigen Gelierzuckermischung anrühren möchte.

Die Feigen habe ich direkt vom Baum in den Topf geschnippelt. Ich wasche sie nicht, ich schäle sie nicht. So esse ich sie auch. Aber auch das kann jeder halten, wie er möchte. Für die Marmelade ist es wurscht. Wer Schalen mag, soll Schalen essen, wer nicht, lässt es bleiben. Ich habe sie geviertelt. Dadurch wurde die Marmelade sehr stückig. Schöne weiche Feigenstücke, die man aufs Brot streichen oder zu einem Blitz-Chutney verrühren kann. Die Kinder waren nicht begeistert. Sie mögen keine Stücke, die sie nicht probiert haben. Sie baten darum, die aufgekochten Feigen das nächste Mal zu pürieren oder zumindest in kleine Stücke zu schneiden. Kann man auch machen.

Die geviertelten Feigen vermischt man mit der Zucker-Pektin-Mischung und läßt sie kurz durchziehen, eine halbe Stunde dürfte reichen. Dann kann man das Ganze einmal aufkochen und dann noch weitere 10 Minuten köcheln lassen. Die Feigen sollten schön weich geworden sein. Sie Schale lässt sich dann leicht mit dem Löffel zerteilen, zerfällt aber nicht von selbst.

Lecker fand ich auch die Variante mit Rosmarin: Dazu habe ich drei Zweige Rosmarin in der brodelnden Masse versenkt und vor dem Abfüllen wieder herausgeholt.

Mit oder ohne Rosmarin, nach gut zehn Minuten kann man den heißen Feigenbrei in die vorbereiteten Gläser füllen und alles mit den üblichen Marmeladenkochschritten wie Zuschrauben, Umdrehen, Zurückdrehen beenden.

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