Azúd de Moncada – Nach uns die Sintflut

Heute waren wir am Azúd de Moncada. Ein Staudamm am Guadalquivir. Guadalquivir, oder río Turia oder río Blanco, auf jeden Fall der Fluss, der ehemals durch Valencia floss. An dieser Stelle ist er nicht sehr breit und die Stelle war bei uns ein beliebtes Ausflugsziel. Ich war schon ein paar Jahre nicht mehr dort. An einen Parkplatz konnte ich mich nicht erinnern. Gibt es jetzt. Inzwischen schon wieder zugewuchert, teilweise so, dass man sich mit einer Machete einen Platz zum Parken erschlagen müsste. Ein anderer Teil ist frei und wird regelmäßig genutzt. Von Hundbesitzern, Radsportlern, Bauarbeitern, die nebenan das Land erschliessen und neue Luxus-Chalets bauen. Es gibt jetzt auch ein paar betonierte Wege. Auch einen Spielplatz. Mit Spielgeräten von der Art, wie sie sich Erwachsene für Kinder ausdenken. Ob sie jemals von einem Kind genutzt wurden, lässt sich nicht sicher sagen. Das Ganze sieht nur noch bedingt nach Spielplatz aus.

Der Guadalquivir ist ein – an dieser Stelle – ein sehr kleiner Fluss. Ein Fluss! Nicht tief, nicht breit. Mit einem Staudamm. Eigentlich genau richtig zum Füße reinhängen, baden, waten, angeln … Also, glaube ich, ich bin kein Angler. Aber die Kinder haben ihre Netze mitgenommen, um Krebse zu fangen. Nebenbei schwimmen einem Fische von einer Größe um die Beine, dass man vielleicht auch lieber gar nicht wissen möchte, wie groß die an den tieferen Stellen so sind. So Schisser wie ich wollen das nicht wissen. Die Kinder wollen.

Es gibt also das Wasser, in dem es kreucht und schwimmt. Es gibt eine Brücke. Von der kann man die Welt von oben betrachten. Man kann auch von oben nach unten rauschen. In der Mitte des Brückengeländers fehlen die Schrauben. Das Brückengelländer lässt sich das Brückengeländer jetzt durchdrücken, wenn man sich so ans Brückengeländer lehnt, wie man das meistens macht. Die Brücke ist nicht untief.

Man kann versuchen, die Fische zu fangen. Man kann auch an der gefährlichsten Stelle von einem Ufer zum anderen waten. Und dabei reinfallen. Und dabei seine Sandale verlieren und eine wilde Verfogungsjagd beginnen. Und all diese Sachen, die Kindern einfallen. Erwachsene scheinen zu glauben, dass man an so einem Ort einen Spielplatz braucht.

Nachdem die Kinder diese schöne und nützliche EU-Sbubention (das weiß ich gar nicht, aber in Spanien stösst man manchmal auf rätselhafte Strassen und  Projekte im Niemandsland – und dann steht da meistens irgendwo ein Schild mit dem Hinweis auf eine EU-Förderung) links liegen gelassen haben, verschwinden sie in der valencianischen Uferfauna.

Am Flussufer wächst etwas. Sumpfpflanzen, Sträucher, Blumen, Bäume. Zum Herumstrolchen, Erkunden, Erforschen.

Natur. Sogar sehr ansprechende. Auch für Erwachsene. Man könnte da stehen und staunen. Darüber, wie atemberaubend die Samenstände von Feuchtwasserpflanzen sind, die sich wie rosa Wolken über dem meterhohen Schilf ausbreiten. Oder über die winzigen Blüten der Kletterpflanze, die sich wie ein Teppich aus weißen Sternen über den Boden ergießt. Darüber, wie die Pinien todesmutig am äußersten Rand der Klippen thronen. Man könnte begreifen, was unberührte Schönheit bedeuten soll, wenn sich plötzlich und unwerwartet inmitten all des Grüns eine Oleanderkönigin räkelt. Rosarot in ihrer wilden Form, wie Dornröschen, die gerade aus ihrem hundertjährigen Schlaf erwacht ist.

Die Erwachsenen müssen sich geärgert haben. Der schöne Spielplatz fand keinen Beifall. So haben die Erwachsenen beschlossen, etwas Neues daraus zu machen. Eine Müllhalde.

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Man sieht gar nicht alles. Weder das ganze Ausmaß Massen an Müll, noch, was dort alles angeschleppt wird: alte Matratzen und Schranktüren, ein halbes Bett, Plastiksäcke, Plastiktüten, Plasikflaschen, Glasflaschen Dosen, Schuhe, Windeln, ausgediente Kleidungsstücke, dazu die passenden Kleiderbügel …

Eigentlich ein Paradies für Kinder. Zum Buden bauen und so . Wenn es nicht so eklig wäre.

Spielplatz

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Böschungsfund

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Uferpromenade

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An einigen Stellen behauptet sich die Schönheit.

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Die Oleanderkönigin (Nerium oleander).

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Auch sehr praktisch

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Hat noch jemand Lust auf Melone?

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ach herrje, was für ein trauriges Bild. Ich frage mich so oft, ob die Menschen die Schönheit der Natur wirklich nicht sehen können und warum sie es anscheinend sinnvoller und weniger arbeitsintensiv finden, ihren Müll in die Wallachei zu schleppen.
    Als ich auf Gran Canaria lebte, stand an einer Ruderalfläche ein Schild, dass es verboten sei dort tote Tiere abzuladen. Bei Geldstrafe von 10000 Peseten. Naja, das ist ja eh nicht genug, also lag dort jede Menge Müll und lebendige Tiere – nicht gewollte Hundewelpen nämlich. Das schnürt mir nicht weniger das Herz zu als den Müll in der Natur zu sehen.
    LG Oli

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    1. Miss Coffein sagt:

      Das ist ja schrecklich. Ich habe mittlerweile eine ganze Reieh von Fotos gesammelt. Von Alltagsmüll über Einkaufswagen, ausrangierte Möbel oder Elektroschrott. Mitten im Wald. Oder im Fuss. Aber eine Müllhalde für ungewünschte Tiere ist mir (Gott sei dank) noch nicht untergekommen. Hingegen ist mir aufgefallen, dass Straßenkatzen und Straßenhunde hier schlagartig so gut wie verschwunden sind. Die wurden sicher nicht von einer samariterischen Katzenfrau aufgenommen.

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      1. Wenn ich das Foto finde, zeige ich es gerne. es wäre wert, in ein Album des Grauens aufgenommen zu werden (ohne Halbleichen).
        Bei uns kam es vor, dass die Männer ein paar Hunde mit in die Berge genommen haben und dann Schießübungen machten. Straßenhunde und -katzen gab es schon, aber auch eine Auffangstation von der Uni, an der die studierenden Tierärzte ausgebildet wurden. Ich habe von dort auch 2 Hunde mitgenommen, die Einrichtung war toll.

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      2. Miss Coffein sagt:

        Hier gibt es auch eine, aber die kann nicht so viele Tiere aufgenommen haben, wie hier verschwunden sind.

        Eigentlich kennen wir alle die Fotos zur Genüge, die in diesem Album des Grauens Aufnahme fänden. Das ist erschütternd.

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